Helden wie wir: Roman

Thomas Brussig

Language: German

Publisher: FISCHER E-Books

Published: Sep 6, 2015

Seitenzahl: 267
Wörter: 77460

Description:

Pressestimmen

'Ich empfehle es Ihnen - das Buch - es ist ein herzerfrischendes Gelächter.' (Wolf Biermann in: Der Spiegel)

Rezension

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Helden wie wir
OA 1995 Form Roman Epoche Gegenwart
Helden wie wir wurde von der Kritik als »heiß ersehnter Wenderoman« gefeiert und machte den Autor Thomas Brussig schnell bekannt. Mit beißender Satire behandelt das Werk Hierarchien und Vorbilder der ehemaligen DDR.
Inhalt: Der Ich-Erzähler Klaus Uhltzscht behauptet von sich, er allein habe die Berliner Mauer zu Fall gebracht. Auf die Frage eines Reporters der New York Times, wie ihm dies gelungen sei, erzählt er seine Lebensgeschichte. Uhltzscht wird am 20. August 1968, dem Tag des Einmarschs der Warschauer-Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei, geboren. Er wächst im Ostteil Berlins auf, wo seine Familie in einer Wohnung direkt gegenüber dem Ministerium für Staatssicherheit lebt. Von seinem Vater wird Klaus für einen Versager gehalten, die hygienebewusste Mutter tritt seinem erwachenden Interesse am Geschlechtlichen mit einer lustfeindlichen Tabuisierung entgegen. Dabei interessiert sich Klaus nahezuzu ausschließlich für seine sexuelle Entwicklung: Die stete Sorge um sein zu klein geratenes Glied bildet den zentralen Bezugspunkt seiner Existenz.
Als Erwachsener wird Uhltzscht zum gewissenhaften Mitarbeiter der Staatssicherheit und rettet 1989 Erich Honecker durch eine Bluttransfusion das Leben. Während der Demonstrationen am 4. November desselben Jahres stürzt er und verletzt sich an seinem Geschlecht, das sich als Folge der notwendigen Operation immens vergrößert. Am 9. November ist Uhltzscht dabei, als sich Menschenmassen vor dem Grenzübergang an der Bornholmer Straße versammeln und dessen Öffnung fordern. Er beobachtet die vergeblichen Versuche der Anwesenden, die Grenzbeamten zu überzeugen. Einem plötzlichen Einfall folgend entblößt Uhltzscht sein Glied und nutzt den Moment ungläubigen Staunens bei den Grenzern, um das Gitter aufzustoßen. Nicht das Volk bewirkte die Grenzöffnung, sondern allein Klaus Uhltzscht – so will es der Bericht des Erzählers.
Aufbau: Helden wie wir ist in der Art eines Schelmenromans geschrieben. Brussig lässt seinen Erzähler aus der Perspektive des Außenseiters, des Versagers berichten – der sich allerdings seiner »historischen Bedeutung« bewusst ist. Der Protagonist trägt nicht umsonst den komplizierten Nachnamen Uhltzscht, der ihn bereits bei der Einschulung aus der Klassengemeinschaft aussondert, da die Lehrerin diesen Zungenbrecher nicht auszusprechen vermag. Mit naivem Blick bewegt sich der Erzähler durch 20 Jahre DDR-Geschichte. Zwar wird er mit allen erdenklichen Auswüchsen des Staatsapparats konfrontiert, doch bleibt er hiervon weitgehend unberührt, da er viel zu sehr auf sich und seinen Geschlechtsapparat konzentriert ist. Unfreiwillig und passiv, ein reiner Mitläufer, gerät Uhltzscht immer wieder in Kontakt mit den politischen Ereignissen. Historische Geschichte wird so im Kontext einer privaten Lebensgeschichte ironisch gebrochen; Brussig lässt seinen Erzähler den entscheidenden Verknüpfungspunkt gleich zu Beginn ansprechen: »Die Geschichte des Mauerfalls ist die Geschichte meines Pinsels.«
Brussig nimmt mehrmals Bezug auf literarische und nicht literarische Werke. Von besonderer Bedeutung ist hierbei die Auseinandersetzung mit Christa R Wolf im letzten Kapitel; ihre Rede am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz wird wörtlich zitiert und ironisch kommentiert.
Wirkung: In den Medien hoch gelobt, wurde Helden wie wir zum Bestseller. Brussig ließ seinem Roman eine dramatisierte Fassung folgen, die 1996 uraufgeführt wurde. Am 9. November 1999, dem zehnten Jahrestag der Grenzöffnung, hatte die ebenfalls sehr erfolgreiche Verfilmung unter gleichem Titel Premiere. S. D.