Die Insel des vorigen Tages: Roman

Umberto Eco

Language: German

Published: Sep 11, 2011

Seitenzahl: 564
Wörter: 164135

Description:

Wir schreiben das Jahr 1643, und in Europa tobt der Dreißigjährige Krieg. Wider Willen wird Roberto de La Grive zum Entdeckungsreisenden auf der Suche nach dem Nullmeridian, dem zur exakten Navigation notwendigen Fixpunkt der Erde. Ein Orkan spült ihn auf ein verlassen vor den Fidschii-Inseln treibendes Forschungsschiff. Auf diesem schwimmenden Naturalienkabinett findet er einen skurrilen Schicksalsgenossen und viel Zeit, sich die eigene unheilvolle Liebes-, Lebens- und Doppelgängergeschichte zu phantasieren. Historisches Panorama, Liebesgeschichte und Abenteuerroman - Eco erfindet den gewaltigen Kosmos eines ganzen Jahrhunderts neu.

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Umberto Eco entführt den Leser in seinem dritten Roman in die Zeit des 17. Jahrhunderts.

Roberto de La Grive, ein junger piemontesischer Adeliger, erleidet in der Südsee Schiffbruch und treibt mit seinem Schiff in Sichtweite einer Insel. Da er jedoch nicht schwimmen kann, ist sie für ihn nur schwer erreichbar. Während der Zeit an Bord erfährt der Leser in Rückblicken eine Menge über die Biographie Robertos: Briefe an seine verehrte Signora, die er stürmisch aus der Ferne verehrt, und lückenhafte Aufzeichnungen, mit denen er sich die Zeit vertreibt.

Sein geheimer, wissenschaftlicher Auftrag auf dieser Reise ist die Suche nach dem Fixpunkt, mit dem sich untrüglich die Einteilung der Längengrade bestimmen läßt. Schon bald bemerkt er allerdings, daß er nicht allein auf dem Schiff ist und er macht sich auf die Suche.

Das Handlungsgerüst des dicken Wälzers dient Eco vor allem dazu, sein enzyklopädisches Wissen über die Zeit des 17. Jahrhunderts ansprechend zu verpacken. Er schildert in Exkursen philosophische Überlegungen und den finsteren Aberglauben dieser Zeit, gibt in Traktaten allerlei absurde Maschinen und Erfindungen zum Besten und macht sich paradoxe Gedanken über das Denken der Steine.

Die Insel des vorigen Tages ist ein ungemein gelehrtes und phantasievolles Buch, doch leider hat der Autor einen etwas mageren Plot für seine vielfältigen Exkurse ausgewählt. Der Roman ist eine sehr anspruchsvolle Lektüre, die oft nur mit einem Fremdwörterbuch zu bewältigen ist. Wer Spaß an abstrusen Spinnereien und phantasievollen Romankonstrukten hat und dabei noch eine Menge über das 17. Jahrhundert erfahren möchte, der liegt bei diesem Buch richtig. --Manuela Haselberger

Pressestimmen

"Eco ist ein geistreicher, auf seine Art vollkommener Autor." Claus-Ulrich Bielefeld, Tagesspiegel Messebeilage, 03/95

"Eco schafft es, daß sich der Leser plötzlich für das Problem der Meridiane, für die Entdeckung der Südsee, für das Weltbild des 17. Jahrhunderts zu interessieren beginnt. Ecos untrügliches Gespür für ideengeschichtliche Konstellationen und Kuriositäten läßt ihn auch in der Insel des vorigen Tages nicht im Stich." Konrad Paul Liessmann, Der Standard, 03.03.95

"Autor in Fabula: Umberto Eco durchbricht immer wieder die Illusion, die seine Geschichte gerade inszeniert, holt den Leser auf den Boden der Wirklichkeit zurück. Nicht, um ihm diese Wirklichkeit bedeutend zu machen, sondern im Gegenteil das Verlangen nach dem Roman zu stärken. Ein hochgescheiter, mit viel historischem, theologischem, astronomischem und philosophischem Wissen aufgefüllter Kosmos ... Schon Don Quijote verlor sich in der Welt der Romane - und Eco zeigt uns, daß es mit dieser wie mit so mancher Gefahr ist: Man kann daran sein Vergnügen und im Überwinden Erkenntnis finden." Urs Bugmann, Luzerner Neueste Nachrichten, 08.03.95

"Ein Buch von brillantem intellektuellem Background. Ein Abenteuerroman zwar, doch einer, der in den faszinierenden Grenzbereich zwischen Wissenschaft und Scharlatanerie führt." News, 09.03.95

"... spannend erzählt, eine Art Polit-Thriller. Es erzählt die Odyssee des Großen Jahrhunderts: Das Zeitalter der Vernunft. Der Leser, immer wieder verblüfft, ... endet mit Bewunderung." Frankfurter Allgemeine Zeitung