Das verfluchte Tal

Stefanie Rosen

Language: German

Publisher: Amazon

Published: Sep 4, 2014

Seitenzahl: 85

Description:

Kurzbeschreibung

Alte Rechtschreibung ! ! !

Ein Romantik-Thriller aus den Bergen

Annika und ihre Mutter Christina machen in den Bergen Urlaub. Dort verliebt sich die junge Frau in den Sohn eines Bauern, der nichts lieber möchte, als sie heimzuführen. Auch die kleine Annika mag Hannes, doch bevor ihre Mutter und Hannes vor den Traualtar treten können, hat Annika noch eine Schuld zu sühnen, die aus einem vergangenen Jahrhundert stammt. Nur wenn es ihr gelingt, den Fluch zu brechen, der über einem Tal in der Nähe des Dorfes liegt, wird auch die vor dreihundert Jahren versiegte Quelle wieder sprudeln und das Glück nach St. Agnes zurückkehren.

Leseprobe:
Annika war schon öfter in der Kirche gewesen, aber noch nie hatte sie so versunken gewirkt. Christina warf ihr hin und wieder einen kurzen Blick zu. Jedes Wort, das vorne auf der Kanzel gesprochen wurde, schien ihre Tochter in sich aufzunehmen. Sie wirkte wie entrückt. Obwohl sich die junge Frau dessen schämte, kam ihr Annika wie eine Fremde vor. War das wirklich noch das Kind, mit dem sie im Zug gesessen hatte? Das kleine Mädchen, das sie oft mit unzähligen Fragen quälte? Die Annika, neben der sie jetzt saß, war zu einer anderen geworden, zu einem Wesen, an dessen Leben sie keinen Anteil hatte.
Die junge Frau atmete auf, als der Gottesdienst endete. Unter Orgelklängen gingen sie mit Hannes durch den Mittelgang. "Ich möcht Sie noch dem Herrn Pfarrer vorstellen", sagte er.
Peter, der vor ihnen ging, drehte sich um. "Ist das wirklich nötig, Hannes?" fragte er, dann wandte er sich an Christina: "Hätten S' Lust, mit mir und Ihrer Tochter in die Stadt zu fahren? Am Fluß gastiert ein Zirkus. Er..."
"Nein, wir fahren nicht mit", erklärte Annika, bevor ihre Mutter noch antworten konnte.
Der junge Mann sah sie an, dann schüttelte er den Kopf und drängte sich an den anderen vorbei, um die Kirche zu verlassen.
"Warum bist du so unfreundlich?" fragte Christina ärgerlich. "Herr Wieland hat es doch nur gut gemeint."
"Ich bin nicht unfreundlich", erklärte Annika. "Ich mag nur nicht in den Zirkus gehen."
"Trotzdem solltest dich nachher bei meinem Bruder entschuldigen", bemerkte Hannes. "Du bist wirklich ziemlich garstig zu ihm gewesen."
"Mal sehen." Annika hob die Schultern.
Der Pfarrer von St. Agnes, ein alter weißhaariger Mann, stand vor der Kirche und verabschiedete seine Schäfchen. Als Hannes mit Christina und Annika zu ihm trat, beugte er sich zu dem kleinen Mädchen hinunter. "Na, wie hat's dir bei uns gefallen?"
"Gut", erwiderte Annika. "Ich war so froh, die 'Gute Frau vom Berg' wiederzusehen."
"'Die Gute Frau vom Berg'?" Pfarrer Buchner blickte erst Christina, dann Hannes an. "Bist denn schon mal bei uns gewesen?"
"Ich habe vor vielen, vielen Jahren hier gelebt", behauptete Annika ernsthaft.
Pfarrer Buchner sah Annika in die Augen. Das Lächeln auf seinen Lippen erstarb. "Nein, ich glaub net, daß das Kind zuviel Phantasie hat", sagte er bedächtig. "Das Kind..." Er zeichnete mit dem Zeigefinger ein Kreuz auf Annikas Stirn, dann wandte er sich einer älteren Frau zu, die schon die ganze Zeit versuchte, seine Aufmerksamkeit zu erringen.
Annika rannte einen schmalen Bergpfad hinauf. Sie blieb auch nicht stehen, als Hannes und Christina nach ihr riefen. Auf der Höhe des Pfades blieb sie stehen.
Als ihre Mutter und Hannes sich näherten, ging sie noch ein paar Schritte weiter bis zum Felsabsturz.
"Sei vorsichtig", warnte Christina.
Annika wies in ein ödes, von Felsen eingeschlossenes Tal hinunter. Christina wurde ganz seltsam zumute. Die Mondlandschaft, die sich unter ihnen ausbreitete, wirkte beklemmend. Es gab nichts als Steine, Schotter und verwitterte Ruinen. Kein Moos, keine Flechte, nicht einmal Disteln wuchsen in diesem Tal und es sah auch aus, als würde es dort kein einziges Lebewesen geben.
"Dort habe ich früher gelebt", sagte Annika und zeigte zu den Ruinen. "Erst, wenn ich mein Versprechen eingelöst habe, werden um das Kloster der Heiligen Agnes wieder die Bäume blühen."