Gegenstand der vorliegenden Arbeit sind die Gestaltungen des Grotesken und des Schwarzen Humors in den Romanen Edgar Hilsenraths . Fast alle Romane dieses Autors thematisieren in unterschiedlicher Weise das wohl katastrophalste Ereignis in der Geschichte des jüdischen Volkes: den Holocaust . Die Kontinuität dieser Thematik in seinem Werk und seine spezifische literarische Darstellungsweise machen Edgar Hilsenrath zu einem der wichtigsten deutschsprachigen Autoren der sogenannten Holocaust-Literatur. Dabei geht es in seinen Romanen nicht allein um die Darstellung des Massenmordes an den Juden in den Ghettos und Konzentrationslagern des Dritten Reiches, sondern vor allem auch um die jeweils unterschiedlichen Arten des Umgangs mit dem Holocaust in der Nachkriegszeit bei den ehemaligen Tätern und den überlebenden Opfern. Das Besondere von Hilsenraths Darstellungsweise besteht aber darin, vom nationalsozialistischen Judenmord, von Tätern und Opfern des Holocaust aus¬gerechnet mit den Mitteln der literarischen Lach-kultur - wie Groteske und Schwarzer Humor - zu erzählen und dieses zumal für Deutsche heikle Thema auf provozierende Weise einer satirisch-komischen Gestaltung zu unterziehen. Vor allem deshalb haben seine Romane in Deutschland das Publikum wie die Kritik von Anfang an polarisiert. Ziel dieser Arbeit ist es, die Funktion darzulegen, die insbesondere das Gro¬teske und der Schwarze Humor als spezifische literarische Gestaltungsformen für das Erzählen vom Holocaust in Hilsenraths Romanen haben.
Die Zielsetzung der Arbeit erfordert aber zunächst eine kritische Reflexion ihres Gegenstandes. Denn die Verwendung komisierender Stilmittel für fiktio¬nale Darstellungen des Holocaust war in der Nachkriegsliteratur - nicht nur der deutschen - lange Zeit tabu und ist auch heute noch immer nicht selbst¬verständlich . Autoren, die den Gebrauch solcher Darstellungsmittel in ihren Werken dennoch wagten, irritierten das Publikum und setzten sich heftiger Kritik aus. Angesichts der jede menschliche Vorstellungskraft übersteigenden Ungeheuerlichkeit des industriemäßig betriebenen Massenmordes an den europäischen Juden wurde jenen Autoren vorgeworfen, die Grauenhaftigkeit des Holocaust und die Leiden der ermordeten wie der überlebenden Opfer zu verharmlosen, ja deren Leidenserfahrungen geradezu zu verfälschen. Auschwitz - als Chiffre für einen in der Geschichte bisher einzigartigen Völkermord - schien in der literarischen Öffentlichkeit der Nachkriegszeit aus begreiflichen Gründen mit einem Lachverbot belegt zu sein. Dennoch zeichnete sich vor allem unter den deutschsprachigen Autoren erzählender Holocaustbeschreibun¬gen seit Anfang der sechziger Jahre zunehmend eine Tendenz zur Verwendung auch solcher Stilmittel ab, die dieses innere Tabu der Holocaust-Literatur durchbrechen. Rüdiger Steinlein hat in dem oben angeführten Aufsatz zur Literatur nach Auschwitz diesen Prozeß der Überführung der Holocaustthema¬tik in einen "literarästhetischen Diskurs des Komisch-Lächerlichen" und das darin enthaltene Skandalon eindrucksvoll dargelegt.
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Kurzbeschreibung
Gegenstand der vorliegenden Arbeit sind die Gestaltungen des Grotesken und des Schwarzen Humors in den Romanen Edgar Hilsenraths . Fast alle Romane dieses Autors thematisieren in unterschiedlicher Weise das wohl katastrophalste Ereignis in der Geschichte des jüdischen Volkes: den Holocaust . Die Kontinuität dieser Thematik in seinem Werk und seine spezifische literarische Darstellungsweise machen Edgar Hilsenrath zu einem der wichtigsten deutschsprachigen Autoren der sogenannten Holocaust-Literatur. Dabei geht es in seinen Romanen nicht allein um die Darstellung des Massenmordes an den Juden in den Ghettos und Konzentrationslagern des Dritten Reiches, sondern vor allem auch um die jeweils unterschiedlichen Arten des Umgangs mit dem Holocaust in der Nachkriegszeit bei den ehemaligen Tätern und den überlebenden Opfern. Das Besondere von Hilsenraths Darstellungsweise besteht aber darin, vom nationalsozialistischen Judenmord, von Tätern und Opfern des Holocaust aus¬gerechnet mit den Mitteln der literarischen Lach-kultur - wie Groteske und Schwarzer Humor - zu erzählen und dieses zumal für Deutsche heikle Thema auf provozierende Weise einer satirisch-komischen Gestaltung zu unterziehen. Vor allem deshalb haben seine Romane in Deutschland das Publikum wie die Kritik von Anfang an polarisiert. Ziel dieser Arbeit ist es, die Funktion darzulegen, die insbesondere das Gro¬teske und der Schwarze Humor als spezifische literarische Gestaltungsformen für das Erzählen vom Holocaust in Hilsenraths Romanen haben.
Die Zielsetzung der Arbeit erfordert aber zunächst eine kritische Reflexion ihres Gegenstandes. Denn die Verwendung komisierender Stilmittel für fiktio¬nale Darstellungen des Holocaust war in der Nachkriegsliteratur - nicht nur der deutschen - lange Zeit tabu und ist auch heute noch immer nicht selbst¬verständlich . Autoren, die den Gebrauch solcher Darstellungsmittel in ihren Werken dennoch wagten, irritierten das Publikum und setzten sich heftiger Kritik aus. Angesichts der jede menschliche Vorstellungskraft übersteigenden Ungeheuerlichkeit des industriemäßig betriebenen Massenmordes an den europäischen Juden wurde jenen Autoren vorgeworfen, die Grauenhaftigkeit des Holocaust und die Leiden der ermordeten wie der überlebenden Opfer zu verharmlosen, ja deren Leidenserfahrungen geradezu zu verfälschen. Auschwitz - als Chiffre für einen in der Geschichte bisher einzigartigen Völkermord - schien in der literarischen Öffentlichkeit der Nachkriegszeit aus begreiflichen Gründen mit einem Lachverbot belegt zu sein. Dennoch zeichnete sich vor allem unter den deutschsprachigen Autoren erzählender Holocaustbeschreibun¬gen seit Anfang der sechziger Jahre zunehmend eine Tendenz zur Verwendung auch solcher Stilmittel ab, die dieses innere Tabu der Holocaust-Literatur durchbrechen. Rüdiger Steinlein hat in dem oben angeführten Aufsatz zur Literatur nach Auschwitz diesen Prozeß der Überführung der Holocaustthema¬tik in einen "literarästhetischen Diskurs des Komisch-Lächerlichen" und das darin enthaltene Skandalon eindrucksvoll dargelegt.
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Gegenstand der vorliegenden Arbeit sind die Gestaltungen des Grotesken und des Schwarzen Humors in den Romanen Edgar Hilsenraths . Fast alle Romane dieses Autors thematisieren in unterschiedlicher Weise das wohl katastrophalste Ereignis in der Geschichte des jüdischen Volkes: den Holocaust . Die Kontinuität dieser Thematik in seinem Werk und seine spezifische literarische Darstellungsweise machen Edgar Hilsenrath zu einem der wichtigsten deutschsprachigen Autoren der sogenannten Holocaust-Literatur. Dabei geht es in seinen Romanen nicht allein um die Darstellung des Massenmordes an den Juden in den Ghettos und Konzentrationslagern des Dritten Reiches, sondern vor allem auch um die jeweils unterschiedlichen Arten des Umgangs mit dem Holocaust in der Nachkriegszeit bei den ehemaligen Tätern und den überlebenden Opfern. Das Besondere von Hilsenraths Darstellungsweise besteht aber darin, vom nationalsozialistischen Judenmord, von Tätern und Opfern des Holocaust aus¬gerechnet mit den Mitteln der literarischen Lach-kultur - wie Groteske und Schwarzer Humor - zu erzählen und dieses zumal für Deutsche heikle Thema auf provozierende Weise einer satirisch-komischen Gestaltung zu unterziehen. Vor allem deshalb haben seine Romane in Deutschland das Publikum wie die Kritik von Anfang an polarisiert. Ziel dieser Arbeit ist es, die Funktion darzulegen, die insbesondere das Gro¬teske und der Schwarze Humor als spezifische literarische Gestaltungsformen für das Erzählen vom Holocaust in Hilsenraths Romanen haben.
Die Zielsetzung der Arbeit erfordert aber zunächst eine kritische Reflexion ihres Gegenstandes. Denn die Verwendung komisierender Stilmittel für fiktio¬nale Darstellungen des Holocaust war in der Nachkriegsliteratur - nicht nur der deutschen - lange Zeit tabu und ist auch heute noch immer nicht selbst¬verständlich . Autoren, die den Gebrauch solcher Darstellungsmittel in ihren Werken dennoch wagten, irritierten das Publikum und setzten sich heftiger Kritik aus. Angesichts der jede menschliche Vorstellungskraft übersteigenden Ungeheuerlichkeit des industriemäßig betriebenen Massenmordes an den europäischen Juden wurde jenen Autoren vorgeworfen, die Grauenhaftigkeit des Holocaust und die Leiden der ermordeten wie der überlebenden Opfer zu verharmlosen, ja deren Leidenserfahrungen geradezu zu verfälschen. Auschwitz - als Chiffre für einen in der Geschichte bisher einzigartigen Völkermord - schien in der literarischen Öffentlichkeit der Nachkriegszeit aus begreiflichen Gründen mit einem Lachverbot belegt zu sein. Dennoch zeichnete sich vor allem unter den deutschsprachigen Autoren erzählender Holocaustbeschreibun¬gen seit Anfang der sechziger Jahre zunehmend eine Tendenz zur Verwendung auch solcher Stilmittel ab, die dieses innere Tabu der Holocaust-Literatur durchbrechen. Rüdiger Steinlein hat in dem oben angeführten Aufsatz zur Literatur nach Auschwitz diesen Prozeß der Überführung der Holocaustthema¬tik in einen "literarästhetischen Diskurs des Komisch-Lächerlichen" und das darin enthaltene Skandalon eindrucksvoll dargelegt.
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Kurzbeschreibung
Gegenstand der vorliegenden Arbeit sind die Gestaltungen des Grotesken und des Schwarzen Humors in den Romanen Edgar Hilsenraths . Fast alle Romane dieses Autors thematisieren in unterschiedlicher Weise das wohl katastrophalste Ereignis in der Geschichte des jüdischen Volkes: den Holocaust . Die Kontinuität dieser Thematik in seinem Werk und seine spezifische literarische Darstellungsweise machen Edgar Hilsenrath zu einem der wichtigsten deutschsprachigen Autoren der sogenannten Holocaust-Literatur. Dabei geht es in seinen Romanen nicht allein um die Darstellung des Massenmordes an den Juden in den Ghettos und Konzentrationslagern des Dritten Reiches, sondern vor allem auch um die jeweils unterschiedlichen Arten des Umgangs mit dem Holocaust in der Nachkriegszeit bei den ehemaligen Tätern und den überlebenden Opfern. Das Besondere von Hilsenraths Darstellungsweise besteht aber darin, vom nationalsozialistischen Judenmord, von Tätern und Opfern des Holocaust aus¬gerechnet mit den Mitteln der literarischen Lach-kultur - wie Groteske und Schwarzer Humor - zu erzählen und dieses zumal für Deutsche heikle Thema auf provozierende Weise einer satirisch-komischen Gestaltung zu unterziehen. Vor allem deshalb haben seine Romane in Deutschland das Publikum wie die Kritik von Anfang an polarisiert. Ziel dieser Arbeit ist es, die Funktion darzulegen, die insbesondere das Gro¬teske und der Schwarze Humor als spezifische literarische Gestaltungsformen für das Erzählen vom Holocaust in Hilsenraths Romanen haben.
Die Zielsetzung der Arbeit erfordert aber zunächst eine kritische Reflexion ihres Gegenstandes. Denn die Verwendung komisierender Stilmittel für fiktio¬nale Darstellungen des Holocaust war in der Nachkriegsliteratur - nicht nur der deutschen - lange Zeit tabu und ist auch heute noch immer nicht selbst¬verständlich . Autoren, die den Gebrauch solcher Darstellungsmittel in ihren Werken dennoch wagten, irritierten das Publikum und setzten sich heftiger Kritik aus. Angesichts der jede menschliche Vorstellungskraft übersteigenden Ungeheuerlichkeit des industriemäßig betriebenen Massenmordes an den europäischen Juden wurde jenen Autoren vorgeworfen, die Grauenhaftigkeit des Holocaust und die Leiden der ermordeten wie der überlebenden Opfer zu verharmlosen, ja deren Leidenserfahrungen geradezu zu verfälschen. Auschwitz - als Chiffre für einen in der Geschichte bisher einzigartigen Völkermord - schien in der literarischen Öffentlichkeit der Nachkriegszeit aus begreiflichen Gründen mit einem Lachverbot belegt zu sein. Dennoch zeichnete sich vor allem unter den deutschsprachigen Autoren erzählender Holocaustbeschreibun¬gen seit Anfang der sechziger Jahre zunehmend eine Tendenz zur Verwendung auch solcher Stilmittel ab, die dieses innere Tabu der Holocaust-Literatur durchbrechen. Rüdiger Steinlein hat in dem oben angeführten Aufsatz zur Literatur nach Auschwitz diesen Prozeß der Überführung der Holocaustthema¬tik in einen "literarästhetischen Diskurs des Komisch-Lächerlichen" und das darin enthaltene Skandalon eindrucksvoll dargelegt.