Die lange Zeit der vielen Abschiede

Eric Rill & Volker Lehmacher

Language: German

Publisher: AmazonCrossing

Published: Sep 29, 2015

Seitenzahl: 162
Wörter: 47009

Description:

Kurzbeschreibung

Als bei Saul Reimer im Alter von einundsiebzig Jahren die Alzheimer-Krankheit diagnostiziert wird, stürzt die Welt des strengen und dominanten Familienpatriarchen ein.

Der Leser verfolgt Sauls Weg in die unheilbare Krankheit mit und erlebt den fortschreitenden Verfall zusammen mit ihm und seiner Familie. Da ist der sture, dickköpfige Saul, der den unvermeidlichen Verlust seiner mentalen Fähigkeiten zuerst nicht wahrhaben will und sich nur langsam mit seiner Krankheit abfinden kann. Seine Frau Monique schwankt zwischen liebevoller Hingabe und depressivem Selbstmitleid. Seine Tochter Florence zeigt sich mitfühlend, ist aber stets auf korrektes Verhalten bedacht, während sein Sohn Joey egozentrisch und unreif geblieben ist. Auch Sauls Arzt spielt eine entscheidende Rolle. Sie alle wissen von Anfang an, wie es enden wird ‒ Alzheimer lässt keine Hoffnung auf Heilung. Es stellt sich also nur die Frage, wie sie diesen Weg gemeinsam zu Ende gehen wollen und wie alle Betroffenen mit ihrer neuen Rolle in der Familie umgehen.

Der Verlag über das Buch

Was geschieht mit einem, wenn man allmählich seine Erinnerungsfähigkeit verliert? Ist es überhaupt möglich, die Situation, in der sich Alzheimer-Betroffene befinden, so darzustellen, dass man sie als außenstehender Leser annähernd nachvollziehen kann? Eric Rill hat nach meinem Empfinden mit Die lange Zeit der vielen Abschiede eine gelungene Erzählung zu diesem schwierigen Thema geleistet, das in seinem Roman mit überzeugender Offenheit und Direktheit angegangen wird und durch eine einfache und damit zugleich ehrliche Darstellung besticht. Beim Lesen hatte ich stets das Gefühl, dass der Autor die Situation um die Krankheit Alzheimer mitfühlend dargestellt hat.

Das Buch zeichnet sich für mich insbesondere dadurch aus, dass es die wichtigsten Menschen im Umfeld des an Alzheimer Erkrankten Saul Reimer abwechselnd in ihnen gewidmeten Kapiteln zu Wort kommen lässt, wodurch der Umgang mit der Krankheit – des Ehemannes, Vaters, Patienten – aus ganz unterschiedlichen Perspektiven thematisiert wird. Das Ganze wird zu einer flüssigen Erzählung, die trotz des von Anfang an bekannten Ausgangs der Krankheit dank der verschiedenen Charaktere und der zwischenmenschlichen Erlebnisse eine nachzuempfindende Spannung aufbaut.

Nicht zuletzt habe ich die Erzählung auch deshalb interessant gefunden, weil die Gedanken und Ängste des Patienten selbst ebenfalls offengelegt werden. Anhand der insgesamt vier verschiedenen Erzählstimmen gelingt es dem Autor, die komplizierten Beziehungen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern treffend wiederzugeben. Zugleich wirken die Charaktere sympathisch und echt, wodurch ich mich als Leser mit in den Personenkreis einbezogen gefühlt habe und mich die Geschichte noch stärker bewegt hat.

– Katrin Müller, Editor