Die sensationelle Geschichte der einzigartigen Jagd auf einen Drogenboss, der eine ganze Nation zu seiner Geisel machte. 1992 rief der Präsident Kolumbiens die Amerikaner gegen den mächtigsten Staatsfeind des Landes zu Hilfe: Pablo Escobar hatte mit seinen Kokainmilliarden und seinen Killerkommandos das Land an den Rand des Chaos gebracht. Mark Bowden schildert in seinem atemberaubenden Bericht die Jagd einer Spezialeinheit des amerikanischen Militärs auf einen der "größten Verbrecher der Welt". Dabei stützt er sich auf Interviews mit Beteiligten und auf Hunderte von Seiten geheimdienstlicher Dokumente, darunter die Mitschriften von Escobars abgehörten Telefongesprächen.
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1989 war Pablo Escobar vierzig Jahre alt. Er war einer der reichsten Männer der Welt und vielleicht ihr infamster Verbrecher. Das von ihm beherrschte Medellín-Kartell lieferte 50 Prozent des in den USA konsumierten Kokains, und die Drogenmilliarden machten Escobar zum mächtigsten Mann Kolumbiens.
Doch seine maßlose Gewalt wurde ihm zum Verhängnis. Um der drohenden Auslieferung an die USA zu entgehen, erklärte Pablo dem kolumbianischen Staat den Krieg. Wer sich nicht kaufen ließ, wurde ermordet. Hunderte Richter, Polizisten und Politiker, darunter drei Präsidentschaftskandidaten, fielen seinem Terror zum Opfer. Allein der Bombenanschlag auf eine Linienmaschine der Avianca kostete 110 Menschenleben. Escobar war damit zum meistgefürchteten Terroristen der Welt geworden. Man musste ihn stoppen, egal wie.
Was folgte, war die größte Menschenjagd aller Zeiten, unterstützt von der CIA, der Anti-Drogenbehörde DEA und von Spezialverbänden der US-Armee. Am "erfolgreichsten" war jedoch eine ominöse Todesschwadron namens "Los Pepes", deren Mitglieder damit prahlten, mindestens 300 Handlanger des Drogenbarons ermordet zu haben. Am 2. Dezember 1993 war schließlich auch Pablos Flucht zu Ende. Nach offiziellen Angaben wurde er bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet, doch sind die genauen Todesumstände bis heute umstritten.
Killing Pablo beschreibt erstmals das volle Ausmaß des geheimen US-Engagements in Kolumbien. Bei seinen Recherchen stieß Mark Bowden zudem auf brisantes Material, das die tiefe Verstrickung der USA in den Terror von Los Pepes beweist. "Die Regierung Kolumbiens ging praktisch ein förmliches Bündnis mit den kriminellen Splittergruppen ein", schreibt Bowden, und die US-Agenten ließen es geschehen, weil Escobar sonst auf freiem Fuß geblieben wäre.
Manchmal ist die Realität spannender als jede Fiktion. Die Jagd auf Pablo Escobar ist so ein Fall, und Mark Bowden hat ein ungemein fesselndes Buch darüber geschrieben. Killing Pablo ist die minutiöse Rekonstruktion einer beispiellosen Verbrecherjagd und das beklemmende Porträt einer Gesellschaft, die sich im Chaos der Gewalt aufzulösen droht. --Stephan Fingerle
Über die Autorenschaft und weitere Mitwirkende
Mark Bowden ist einer der gefeiertsten amerikanischen Reporter. Er arbeitet seit zwanzig Jahren für den Philadelphia Inquirer. Sein letztes Buch war "Black Hawk Down", die Geschichte einer Militäraktion bei der unglücklichen amerikanischen Intervention in Somalia. "Black Hawk Down" war ein Bestseller in den USA und gewann mehrere Preise, darunter den Los Angeles Times Book Prize.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Zur großen Überraschung des US-Botschafters in Kolumbien, Morris Busby, wurde seinem Ersuchen, dass die geheime Einheit Delta Force die Jagd auf Pablo Escobar unterstützen möge, sofort entsprochen. Das State Department genehmigte den Antrag und leitete ihn an das Weiße Haus weiter, wo George Bush sich mit seinem Joint Chief Chairman Colin Powell beriet und dann Verteidigungsminister Dick Cheney anwies, dem Botschafter alle geforderten Mittel zur Verfügung zu stellen. Es wurde vermutet, dass Bush, der schon Millionen in einen Versuch gesteckt hatte, den Zufluss von Drogen aus Südamerika aufzuhalten, ein großes persönliches Interesse an der Angelegenheit hatte. Der Einsatzbefehl kam von Major General George Joulwon, Befehlshaber des U.S. Army Southern Command in Panama, und Major General William F. Garrison, Befehlshaber des Joint Special Operations Command in Fort Bragg, North Carolina. Colonel Boykin und seine Mannschaft flogen an diesem Abend Richtung Süden mit dem Auftrag, die Sache ein für alle Mal zu erledigen. Der Codename der Mission lautete Heavy Shadow. Sie trafen mit einer Maschine der Luftwaffe ein, die wie eine gewöhnliche Linienmaschine lackiert war. Acht gut trainierte Männer in Zivil wurden am Flughafen El Dorado von Botschaftsangehörigen begrüßt und zügig auf Straßen in die Innenstadt gefahren, die tagsüber mit Verkehr verstopft gewesen wären. Die Amerikanische Botschaft lag ein wenig nördlich des Stadtzentrums von Bogota, ein graues, vierstöckiges, L-förmiges Gebäude mit einem fensterlosen fünften Stock. Dort warteten der Botschafter Morris Busby gemeinsam mit dem Leiter des CIA-Büros, Bill Wagner, und Joe Toft, dem ranghöchsten Drogenfahnder in Bogota. Busby und Boykin waren alte Freunde, und nach wenigen Minuten begann der Botschafter, dem Delta Force Colonel die neuesten Informationen mitzuteilen. Und diese waren, vorsichtig ausgedrückt, widersprüchlich. Der Gefängnisausbruch Pablo Escobars am 22. Juli 1992 hatte einen Sturm der Entrüstung entfacht: Im Regierungspalast wurde nach Schuldigen gesucht, die Journalisten forderten wütend Konsequenzen. Stündlich gab es anderslautende Meldungen: Pablo sei wieder festgenommen worden; Pablo sei ermordet worden; Pablo hätte aufgegeben; Pablo würde sich weiter in seinem Gefängnis versteckt halten. Als Escobar aus dem Gefängnis spazierte, hatte die hoffnungsvolle Amtszeit von Präsident César Gaviria erste Schönheitsflecken bekommen. Jeden Tag wurden neue Untersuchungen veranlasst. Das Justizministerium beschuldigte die Armee, Bestechungsgelder angenommen zu haben, die die Flucht Escobar ermöglicht hätten; ein häufiges (und falsches) Gerücht besagte, dass Escobar als Frau verkleidet aus dem Gefängnis spaziert sei, nachdem er den Soldaten eine Menge Geld gezahlt habe. Das Militär verbreitete Gerüchte, dass Escobar durch einen geheimen unterirdischen Tunnel entkommen sei. Es schien möglich: Escobar war im Gespräch mit seinen Männern abgehört worden, wie sie darüber sprachen, "den Tunnel" zu benutzen. In Wahrheit war Escobar auf weitaus konventionellere Art entflohen. Der "Tunnel" war ein abgedeckter LKW, der benutzt wurde, um Frauen, Waffen, Leichen und Alkohol vor den Nasen der Gefängniswächter und der Soldaten durchzuschmuggeln. Am Tag nach dem Verschwinden Escobars präsentierten seine Anwälte der Regierung ein Kapitulationsangebot. In seinem typisch arroganten Stil zählte der Drogenboss seine Forderungen auf: Er würde ins Gefängnis zurückkehren, wenn "seine" Wachen wieder eingesetzt würden, wenn die Luftüberwachung beendet würde, wenn keine neuen Anklagepunkte hinzukämen, wenn seine Familie Besuchsrechte bekäme und die Polizei nicht gegen ihn eingesetzt würde. Zur großen Zufriedenheit der Amerikanischen Botschaft zeigte Präsident Gaviria keinerlei Verhandlungsbereitschaft...
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Die sensationelle Geschichte der einzigartigen Jagd auf einen Drogenboss, der eine ganze Nation zu seiner Geisel machte. 1992 rief der Präsident Kolumbiens die Amerikaner gegen den mächtigsten Staatsfeind des Landes zu Hilfe: Pablo Escobar hatte mit seinen Kokainmilliarden und seinen Killerkommandos das Land an den Rand des Chaos gebracht. Mark Bowden schildert in seinem atemberaubenden Bericht die Jagd einer Spezialeinheit des amerikanischen Militärs auf einen der "größten Verbrecher der Welt". Dabei stützt er sich auf Interviews mit Beteiligten und auf Hunderte von Seiten geheimdienstlicher Dokumente, darunter die Mitschriften von Escobars abgehörten Telefongesprächen.
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1989 war Pablo Escobar vierzig Jahre alt. Er war einer der reichsten Männer der Welt und vielleicht ihr infamster Verbrecher. Das von ihm beherrschte Medellín-Kartell lieferte 50 Prozent des in den USA konsumierten Kokains, und die Drogenmilliarden machten Escobar zum mächtigsten Mann Kolumbiens.
Doch seine maßlose Gewalt wurde ihm zum Verhängnis. Um der drohenden Auslieferung an die USA zu entgehen, erklärte Pablo dem kolumbianischen Staat den Krieg. Wer sich nicht kaufen ließ, wurde ermordet. Hunderte Richter, Polizisten und Politiker, darunter drei Präsidentschaftskandidaten, fielen seinem Terror zum Opfer. Allein der Bombenanschlag auf eine Linienmaschine der Avianca kostete 110 Menschenleben. Escobar war damit zum meistgefürchteten Terroristen der Welt geworden. Man musste ihn stoppen, egal wie.
Was folgte, war die größte Menschenjagd aller Zeiten, unterstützt von der CIA, der Anti-Drogenbehörde DEA und von Spezialverbänden der US-Armee. Am "erfolgreichsten" war jedoch eine ominöse Todesschwadron namens "Los Pepes", deren Mitglieder damit prahlten, mindestens 300 Handlanger des Drogenbarons ermordet zu haben. Am 2. Dezember 1993 war schließlich auch Pablos Flucht zu Ende. Nach offiziellen Angaben wurde er bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet, doch sind die genauen Todesumstände bis heute umstritten.
Killing Pablo beschreibt erstmals das volle Ausmaß des geheimen US-Engagements in Kolumbien. Bei seinen Recherchen stieß Mark Bowden zudem auf brisantes Material, das die tiefe Verstrickung der USA in den Terror von Los Pepes beweist. "Die Regierung Kolumbiens ging praktisch ein förmliches Bündnis mit den kriminellen Splittergruppen ein", schreibt Bowden, und die US-Agenten ließen es geschehen, weil Escobar sonst auf freiem Fuß geblieben wäre.
Manchmal ist die Realität spannender als jede Fiktion. Die Jagd auf Pablo Escobar ist so ein Fall, und Mark Bowden hat ein ungemein fesselndes Buch darüber geschrieben. Killing Pablo ist die minutiöse Rekonstruktion einer beispiellosen Verbrecherjagd und das beklemmende Porträt einer Gesellschaft, die sich im Chaos der Gewalt aufzulösen droht. --Stephan Fingerle
Über die Autorenschaft und weitere Mitwirkende
Mark Bowden ist einer der gefeiertsten amerikanischen Reporter. Er arbeitet seit zwanzig Jahren für den Philadelphia Inquirer. Sein letztes Buch war "Black Hawk Down", die Geschichte einer Militäraktion bei der unglücklichen amerikanischen Intervention in Somalia. "Black Hawk Down" war ein Bestseller in den USA und gewann mehrere Preise, darunter den Los Angeles Times Book Prize.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Zur großen Überraschung des US-Botschafters in Kolumbien, Morris Busby, wurde seinem Ersuchen, dass die geheime Einheit Delta Force die Jagd auf Pablo Escobar unterstützen möge, sofort entsprochen. Das State Department genehmigte den Antrag und leitete ihn an das Weiße Haus weiter, wo George Bush sich mit seinem Joint Chief Chairman Colin Powell beriet und dann Verteidigungsminister Dick Cheney anwies, dem Botschafter alle geforderten Mittel zur Verfügung zu stellen. Es wurde vermutet, dass Bush, der schon Millionen in einen Versuch gesteckt hatte, den Zufluss von Drogen aus Südamerika aufzuhalten, ein großes persönliches Interesse an der Angelegenheit hatte. Der Einsatzbefehl kam von Major General George Joulwon, Befehlshaber des U.S. Army Southern Command in Panama, und Major General William F. Garrison, Befehlshaber des Joint Special Operations Command in Fort Bragg, North Carolina. Colonel Boykin und seine Mannschaft flogen an diesem Abend Richtung Süden mit dem Auftrag, die Sache ein für alle Mal zu erledigen. Der Codename der Mission lautete Heavy Shadow. Sie trafen mit einer Maschine der Luftwaffe ein, die wie eine gewöhnliche Linienmaschine lackiert war. Acht gut trainierte Männer in Zivil wurden am Flughafen El Dorado von Botschaftsangehörigen begrüßt und zügig auf Straßen in die Innenstadt gefahren, die tagsüber mit Verkehr verstopft gewesen wären. Die Amerikanische Botschaft lag ein wenig nördlich des Stadtzentrums von Bogota, ein graues, vierstöckiges, L-förmiges Gebäude mit einem fensterlosen fünften Stock. Dort warteten der Botschafter Morris Busby gemeinsam mit dem Leiter des CIA-Büros, Bill Wagner, und Joe Toft, dem ranghöchsten Drogenfahnder in Bogota. Busby und Boykin waren alte Freunde, und nach wenigen Minuten begann der Botschafter, dem Delta Force Colonel die neuesten Informationen mitzuteilen. Und diese waren, vorsichtig ausgedrückt, widersprüchlich. Der Gefängnisausbruch Pablo Escobars am 22. Juli 1992 hatte einen Sturm der Entrüstung entfacht: Im Regierungspalast wurde nach Schuldigen gesucht, die Journalisten forderten wütend Konsequenzen. Stündlich gab es anderslautende Meldungen: Pablo sei wieder festgenommen worden; Pablo sei ermordet worden; Pablo hätte aufgegeben; Pablo würde sich weiter in seinem Gefängnis versteckt halten. Als Escobar aus dem Gefängnis spazierte, hatte die hoffnungsvolle Amtszeit von Präsident César Gaviria erste Schönheitsflecken bekommen. Jeden Tag wurden neue Untersuchungen veranlasst. Das Justizministerium beschuldigte die Armee, Bestechungsgelder angenommen zu haben, die die Flucht Escobar ermöglicht hätten; ein häufiges (und falsches) Gerücht besagte, dass Escobar als Frau verkleidet aus dem Gefängnis spaziert sei, nachdem er den Soldaten eine Menge Geld gezahlt habe. Das Militär verbreitete Gerüchte, dass Escobar durch einen geheimen unterirdischen Tunnel entkommen sei. Es schien möglich: Escobar war im Gespräch mit seinen Männern abgehört worden, wie sie darüber sprachen, "den Tunnel" zu benutzen. In Wahrheit war Escobar auf weitaus konventionellere Art entflohen. Der "Tunnel" war ein abgedeckter LKW, der benutzt wurde, um Frauen, Waffen, Leichen und Alkohol vor den Nasen der Gefängniswächter und der Soldaten durchzuschmuggeln. Am Tag nach dem Verschwinden Escobars präsentierten seine Anwälte der Regierung ein Kapitulationsangebot. In seinem typisch arroganten Stil zählte der Drogenboss seine Forderungen auf: Er würde ins Gefängnis zurückkehren, wenn "seine" Wachen wieder eingesetzt würden, wenn die Luftüberwachung beendet würde, wenn keine neuen Anklagepunkte hinzukämen, wenn seine Familie Besuchsrechte bekäme und die Polizei nicht gegen ihn eingesetzt würde. Zur großen Zufriedenheit der Amerikanischen Botschaft zeigte Präsident Gaviria keinerlei Verhandlungsbereitschaft...